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Tipps vom psychologischen Psychotherapeuten Martin Widemann

Ich habe Angst. Manchmal ist es die Angst vor ganz alltäglichen Dingen und ganz aktuell die Angst vor Corona. Das ist mir unangenehm, dann wer will schon Angst haben? Es wirkt wie eine Art Störgefühl und das gilt es in unserer Optimierungsgesellschaft zu vermeiden. Diana hat die Angst vor Corona zum Anlass genommen sich mit Martin Widemann, einem psychologischen Psychotherapeuten, auf Spurensuche zu begeben:

  • Wo entsteht die Angst im Gehirn?
  • Warum haben wir eigentlich Angst?
  • Und wann wird Angst zu einem Problem?
„Alles Fremde und bedrohlich Bewertete löst Angst aus.“

Martin Widemann sagt, dass grundsätzlich alles uns Unbekannte Angst auslösen kann. Wird das Unbekannte dann noch als bedrohlich eingestuft verstärkt dies die entstehende Angst. Das zeigte sich auch bei der Corona-Pandemie: Ein Virus ist uns bekannt, eine weltweite Pandemie hingegen nicht. Doch wie entsteht die Angst und welche Funktion hat sie?

„Die Angst hatte ursprünglich die Funktion uns überleben zu lassen.“

Angst ist eine Schutzreaktion unseres Körpers vor uns unbekannten Situationen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es die Angst vor einem Raubtier ist oder vor einer weltweiten Pandemie. Der Mechanismus bleibt der gleiche: In unserem Gehirn wird bei entstehender Angst das limbische System angesprochen. Die sogenannte Amygdala sorgt dann dafür, dass die Angst in körperliche Symptome umgewandelt wird. Laut Widemann sind klassische Symptome:

  1. Feuchte Hände
  2. Herzrasen
  3. Flache Atmung

Besonders bei der flachen Atmung werden weitere Symptome wie Hyperventilieren folgen. Angst wird erst dann zu einem Problem, wenn sie uns in unserem Alltag einschränkt. Wenn du z.B. Angst vor sehr vollen Plätzen hast.

„In der Therapie geht es nie darum Angst wegzumachen.“

Am liebsten würden wir die Angst einfach abstellen und verschwinden lassen. Das sei aber nicht das Ziel in einer Therapie, sagt Widemann. Vielmehr geht es darum, die Angst und ihre Symptome als solche zu erkennen und einen guten Umgang damit zu finden. Besonders deutlich wird der individuelle Umgang mit Angst bei dem Thema der eigenen Endlichkeit.

„Ich versuche in dem Unkontrollierbaren irgendetwas Kontrollierbares zu finden. In dem Unsinnigen einen Sinn.“  

Angst wird verstärkt, wenn wir das Gefühl haben, Situationen nicht kontrollieren zu können. Über unsere natürliche Endlichkeit haben wir keine Macht. Wir können nur lernen sie zu akzeptieren. Deswegen rät Widemann, sich mit Themen, die uns Angst bereiten, in einem gesunden Maß zu konfrontieren, statt diese ganz von uns fern zu halten.

Wie gehe ich mit der Angst vor Corona um?

Widemann rief in seiner Familie beispielsweise die spanische Woche aus, als der erste Lockdown kam. Länder bzw. Kulturen wurden nur noch als Hochrisikogebiete eingeordnet und stigmatisiert. Um der Angst entgegenzuwirken, setzte er sich zusammen mit der Familie aktiv mit diesen Kulturen auseinander. Bewusste neugierig und offen zu sein, wirkt dem Rückzug (im Lockdown) entgegen. So war Spanien nicht mehr verbunden mit dem Hochrisikogebiet, sondern mit leckerem Essen und guter Musik. Diese Herangehensweise hilft außerdem dabei, dass wir uns nicht permanent mit Corona bzw. unserer Angst beschäftigen.

„Es ist eine allgemeine Empfehlung, dass man sich nicht zu sehr mit dem Thema beschäftigt.“  

Verfolge ich in den Nachrichten nur noch das Infektionsgeschehen, kann dies natürlich meine Angst steigern. Die Augen davor zu verschließen bringt aber auch nichts. Hier ist es ebenfalls ratsam, eine gesunde Mitte zu finden und sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Besonders bei irrationalen Ängsten, z.B. vor Höhe, sei es laut Widemann ratsam, sich dieser Angst zu stellen und im besten Fall die Erfahrung zu machen, dass die Angst unbegründet war. Dies sei aber nur bei irrationalen Ängsten möglich, denn wie soll man sich mit der Angst vor Corona konfrontieren.

Auf die Frage wie wir jetzt am effektivsten – wir sind ja immer noch eine Optimierungsgesellschaft – mit der Angst umgehen können, nennt Widemann unterschiedliche Verfahren:

  1. Für irrationale Ängste: Verhaltenstherapie/Konfrontationstechniken
  2. Existenzielle Psychotherapie
  3. Akzeptanz- and Commitment-Therapie


Außerdem empfiehlt Widemann in akuten Angstsituationen auf die Atmung zu achten, da eine flache Atmung die Angst noch verstärken kann und weitere Symptome hervorruft. Tiefe Atemzüge in den Bauch helfen dem Körper, sich zu beruhigen. Und wenn Mensch schon beim Atmen ist, kann er dabei auch direkt ein bisschen lächeln. Zunächst fühlt es sich vielleicht komisch an, hilft aber noch mehr, sich aus der Angst raus zu holen, da es unser Gehirn überlistet.

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