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Können wir ADHS als Erwachsene bekommen?

„Muss nur noch kurz die Welt retten“, singt Tim Bendzko in seinem Lied. Morgens fängt der Kopf an zu rattern mit tausend Ideen, die nach Möglichkeit sofort erledigt werden wollen. Es gibt Menschen, die uns wie ein ganzer Ideenvulkan vorkommen. Deren Energie sprüht ohne ein Ende. Manchen von ihnen fällt das Fokussieren auf eine Aufgabe schwer. Dieses „Stillsitzen“, wo es doch mindestens fünf Dinge gleichzeitig zu erledigen gibt, immer Hummeln im Hintern. Wenn dir das bekannt vorkommt, wisse, dass du damit nicht alleine bist. In letzter Zeit lesen wir das Thema ADHS im Erwachsenenalter immer öfter und deswegen spricht Diana heute mit dem psychologischen Psychotherapeuten Prof. Dr. Christian Mette über das Thema ADHS und fällt gleich mit der Tür ins Haus:

 

Kann man ADHS als Erwachsener bekommen?

Bekommen nicht, so Mette, da per Definition ADHS eine neuronale und mentale Störung in der Entwicklung ist. Die Störung muss also im Kindes- oder Jugendalter beginnen und im Erwachsenenalter bestehen bleiben, um als ADHS eingestuft werden zu können. Nun kann es laut Mette jedoch durchaus passieren, dass wir erst als Erwachsene einen Leidensdruck verspüren und diesen als Kind nicht so sehr wahrgenommen haben. Viele Kinder drehen gern auf und die Extraportion Action kann durchaus Spaß machen und wird allemal als „Zappelphilipp“ betitelt.

Höre jetzt ins ganze Gespräch auf Spotify:

Woran erkennen wir ADHS? Was sind die Symptome von ADHS?

Der Klassiker unter den ADHS-Symptomen ist, nach Mette, die Unaufmerksamkeit. Der Kopf ist voller Gedanken und Ideen, da fällt es schon mal schwierig, sich auf eine Sache zu fokussieren. Außerdem sind Menschen, die mit ADHS diagnostiziert werden, hyperaktiv und in irgendeiner Form impulsiv.

 

Wie wird ADHS diagnostiziert?

„Auf einer Skala von 1-10 bist du eine 5 bei der Kategorie Hyperaktivität.“ So oder so ähnlich können wir uns die Herangehensweise vorstellen. Mette nennt es die kategorial prototypische Diagnostik. Es wird in verschiedenen Kategorien geschaut, ob definierte Schwellenwerte erreicht werden. Beim Beispiel der Unaufmerksamkeit beachtet die betroffene Person häufig Einzelheiten nicht und macht viele Flüchtigkeitsfehler. Dabei wird versucht, sich einer Diagnose mittels Fragebogen oder direkter Befragung anzunähern. Dazu werden nicht nur die Patient:innen selbst, sondern auch das direkte Umfeld wie Eltern und Lehrer befragt.

 

Ist es ADHS oder bin ich einfach nur unkonzentriert?

Nur weil jemand zuweilen unkonzentriert ist, heißt es noch lange nicht, dass eine ADHS vorliegt. Wenn jemand angibt häufig unkonzentriert zu sein, so Mette, betrachten wir dazu einige individuelle Faktoren:

  • Wann bist du unkonzentriert?
  • Hängt es vielleicht mit deinem Rhythmus zusammen?
    Vielleicht bist du einfach kein Morgenmensch und kannst dich besser abends konzentrieren.

Mette empfiehlt erstmal den Hausarzt aufzusuchen, es sei das niederschwelligste Angebot. Generell hilft es, Expert:innen zu befragen, sollte ein hoher und anhaltender Leidensdruck vorliegen. Neben dem Hausarzt können also auch Psychotherapeut:innen und Psychiater:innen bei der Spurensuche weiterhelfen. Besonders bei einer unentdeckten bzw. unbehandelten Symptomatik treten, laut Mette, im Erwachsenenalter häufig Komorbiditäten, also Begleitstörungen, auf. Betroffene leiden dann zum Beispiel ebenfalls unter Depressionen, Suchterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen. In jedem Fall rät Mette dazu, sich Hilfe zu suchen. Eine gute Adresse beim Verdacht auf ADHS ist der Dachverband der Selbsthilfe ADHS Deutschland e.V.

Was Prof. Dr. Christian Mette noch zu ADHS und dem heiklen Thema Ritalin zu sagen hat, erfährst du in der Folge von „Die Aufwärtsspirale“.

Die Achtsamkeitsübung „5, 4, 3, 2, 1“

Egal ob du eine ADHS Diagnose hast oder dich manchmal einfach nur ein wenig hibbelig oder unkonzentriert fühlst, die „5, 4, 3, 2, 1 Methode“ ist eine beliebte Achtsamkeitsübung, um mehr im Moment zu sein:

Wenn du das Gefühl hast, unter hohen Anspannungszuständen zu leiden, lohnt es sich auch, das Skillstraining auszuprobieren.

Weiterführende Informationen zu ADHS

Mette, C. (2019). Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter: Aktueller Stand. In: Schnell, T. & Schnell, K. (Hrsg.) Handbuch Klinische Psychologie (pp.1-23). Berlin: Springer.

Döpfner, M., Frölich, J., & Lehmkuhl, G. (2013). Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) (2. Aufl.).Göttingen: Hogrefe.

Dirks, H., Scherbaum, N., Kis, B., & Mette, C. (2017). ADHD in adults and comorbid substance use disorder: Prevalence, clinical diagnostics and integrated therapy. Fortschritte der Neurologie-Psychiatrie, 85(6), 336–344. https://doi.org/10.1055/s-0043-100763 (zuletzt abgerufen am 07.02.2022).

Bonvicini, C., Faraone, S. V., & Scassellati, C. (2016). Attention-deficit hyperactivity disorder in adults: Asystematic review and meta-analysis of genetic, pharmacogenetic and biochemical studies. Molecular Psychiatry, 21(7), 872–884. https://doi.org/10.1038/mp.2016.74 (zuletzt abgerufen am 07.02.2022).

Christiansen, H., Hirsch, O., Philipsen, A., Oades, R. D., Matthies,S., Hebebrand, J., & Kis, B. (2013). German validation of the Conners adult ADHD rating scale-self-report: Confirmation of factor structure in a large sample of participants with ADHD. Journal of Attention Disorders, 17(8),690–698. https://doi.org/10.1177/1087054711435680 (zuletzt abgerufen am 07.02.2022).

Fayyad, J., Sampson, N. A., Hwang, I., Adamowski, T.,Aguilar-Gaxiola, S., Al-Hamzawi, A., & Kessler, R. C.(2016). The descriptive epidemiology of DSM-IV Adult ADHD in the World Health Organization World Mental Health Surveys. Attention Deficit and Hyperactivity Disorders. https://doi.org/10.1007/s12402-016-0208-3 (zuletzt abgerufen am 07.02.2022).

Huss, M., Holling, H., Kurth, B. M., & Schlack, R. (2008) How often are German children and adolescents diagnosed with ADHD? Prevalence based on the judgment of health care professionals: Results of the German health and examination survey(KiGGS). European Child & Adolescent Psychiatry, 17(Suppl1), 52–58. https://doi.org/10.1007/s00787-008-1006-z (zuletzt abgerufen am 07.02.2022).

Late onset

Chamberlain, S. R., Müller, U. (2018). Comment on Late-Onset ADHD Reconsidered With Comprehensive Repeated Assessments Between Ages 10 and 25. The American Journal of Psychiatry. 175(5),480. https://doi.org/10.1176/appi.ajp.2018.17121308 (zuletzt abgerufen am 07.02.2022).

Ahmad, S. I., Owens, E. B., Hinshaw, S.P. (2019). Little evidence for late-onset ADHD in a longitudinal sample of women. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 87(1),112-117. https://doi.org/10.1037/ccp0000353 (zuletzt abgerufen am 07.02.2022).

Methylphenidat (Ritalin) Missbrauch

Clemow, D.B. (2017). Misuse of Methylphenidate. Current Topics in Behavioral Neuroscience, 34, 99-124. https://doi.org/10.1007/7854_2015_426 (zuletzt abgerufen am 07.02.2022).

De Bruyn, S., Wouters, E., Ponnet K. & Van Hal G. (2019). Popping smart pills in medical school: Are competition and stress associated with the misuse of prescription stimulants among students? Substance Use & Misuse, 54(7), 1191-1202. https://doi.org/10.1080/10826084.2019.1572190 (zuletzt abgerufen am 07.02.2022).

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